Stadtgeflüster

Veröffentlicht auf von Mordu

wallpaper_schild2_klein.JPGDas Stadtleben ist schon was feines. Alles wirkt viel lebendiger und man hat das Gefühl, dass sich die Zeit viel schneller bewegt. Zumindest empfinde ich das so. Die letzten 20 Jahre habe ich ja in einer kleinen Kreisstadt in der Pfalz gelebt. Und wenn man so lange dort lebt wie ich, dann kennt man natürlich auch viele Gesichter, die einem dort täglich über den Weg laufen. Ich glaube es verging kein Tag, an dem ich nicht jemanden grüßen konnte oder ein Gespräch mit einer zufällige Begegnung hatte, sei es beim Einkaufen, beim Gang zur Post oder dem kleinen Abstecher in ein Pub. Ansich ein schönes Gefühl, immer Menschen um sich zu haben, die man kennt und zum größten Teil auch mag.

Seit ich in Karlsruhe wohne ist das ganz anders. Wenn ich hier durch die Strassen marschiere, bin ich nur einer von vielen. Ich blicke in die Gesichter meiner Mitmenschen und merke, dass ich ihnen genauso fremd vorkomme, wie sie mir. Ich kann die Einkaufsstraße hoch und runter spazieren ohne dass mich jemand anhält und mit mir über die letzte Party philosphiert oder mir erzählt, wer letzte Woche schon wieder geheiratet hat. Noch vor zwei Monaten hatte ich Angst vor dieser Situation. Mittlerweile liebe ich sie.

Es ist irgendwie ein befreiendes Gefühl. Ein Neubeginn, der einem selbst alle Möglichkeiten offen lässt. Dieses schnelle Leben einer Großstadt war genau das, was mir in den letzten Jahren wohl fehlte. Meine ersten Gänge zum Supermarkt um die Ecke waren sehr interessant. Die Menschen hier wirken viel offener und sind freundlich. Alle meine bisherigen Zusammentreffen mit Einwohnern meiner neuen Heimat waren durchgehend positiv. Eigentlich darf mich das nicht wundern, arbeite ich doch schon die letzten 5 Jahre in Karlsruhe und sollte die Mentalität der Menschen hier kennen. Wenn man dann aber letztendlich selbst hier wohnt, ist es doch nochmal etwas anderes.

Diese anfängliche Anonymität ist sehr angenehm, dennoch fehlen mir gelegentlich die Abende mit Freunden in meinem früheren Stammlokal in der Pfalz. Ich bin gern unter Menschen, unterhalte mich gerne mit ihnen über Gott und die Welt oder führe lustige Dialoge beim gemütlichen Genuß eines Cocktails oder einem Whiskey-Cola, denen meist noch weitere folgen. Es wird wohl einige Zeit dauern, bis ich hier in Karlsruhe solche Abende verbringen kann. Dazu fehlen mir noch die vertrauten Kontakte. Doch ich habe es nicht eilig damit, ein Schritt nach dem anderen.

Bis es soweit ist, genieße ich noch diese Ruhe, die mich durchströmt, wenn ich durch die Straßen wandere und es mir ein Gefühl vermittelt, als wäre ich nur zu Besuch da. Diese Stadt hat viel zu bieten und ich beabsichtige dies in vollen Zügen auszukosten.

In diesem Sinne...immer die Kirche im Dorf lassen.
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Veröffentlicht in Umwelt

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