Stadtgeflüster
Seit ich in Karlsruhe wohne ist das ganz anders. Wenn ich hier durch die Strassen marschiere, bin ich nur einer von vielen. Ich blicke in die Gesichter meiner Mitmenschen und merke, dass ich ihnen genauso fremd vorkomme, wie sie mir. Ich kann die Einkaufsstraße hoch und runter spazieren ohne dass mich jemand anhält und mit mir über die letzte Party philosphiert oder mir erzählt, wer letzte Woche schon wieder geheiratet hat. Noch vor zwei Monaten hatte ich Angst vor dieser Situation. Mittlerweile liebe ich sie.
Es ist irgendwie ein befreiendes Gefühl. Ein Neubeginn, der einem selbst alle Möglichkeiten offen lässt. Dieses schnelle Leben einer Großstadt war genau das, was mir in den letzten Jahren wohl fehlte. Meine ersten Gänge zum Supermarkt um die Ecke waren sehr interessant. Die Menschen hier wirken viel offener und sind freundlich. Alle meine bisherigen Zusammentreffen mit Einwohnern meiner neuen Heimat waren durchgehend positiv. Eigentlich darf mich das nicht wundern, arbeite ich doch schon die letzten 5 Jahre in Karlsruhe und sollte die Mentalität der Menschen hier kennen. Wenn man dann aber letztendlich selbst hier wohnt, ist es doch nochmal etwas anderes.
Diese anfängliche Anonymität ist sehr angenehm, dennoch fehlen mir gelegentlich die Abende mit Freunden in meinem früheren Stammlokal in der Pfalz. Ich bin gern unter Menschen, unterhalte mich gerne mit ihnen über Gott und die Welt oder führe lustige Dialoge beim gemütlichen Genuß eines Cocktails oder einem Whiskey-Cola, denen meist noch weitere folgen. Es wird wohl einige Zeit dauern, bis ich hier in Karlsruhe solche Abende verbringen kann. Dazu fehlen mir noch die vertrauten Kontakte. Doch ich habe es nicht eilig damit, ein Schritt nach dem anderen.
Bis es soweit ist, genieße ich noch diese Ruhe, die mich durchströmt, wenn ich durch die Straßen wandere und es mir ein Gefühl vermittelt, als wäre ich nur zu Besuch da. Diese Stadt hat viel zu bieten und ich beabsichtige dies in vollen Zügen auszukosten.
In diesem Sinne...immer die Kirche im Dorf lassen.
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