Die andere Seite
Dunkel ist es da drüben. Nur selten scheinen kleine Lichtkegel herüber und zeigen einige Silhouetten hinter dem dunklen Vorhang. Die Rede ist vom Wohnzimmer meines Nachbarn. Oft sehe ich, wie er auf seinem Fensterbrett aufgelehnt herüberschaut und einen grimmigen Gesichtsausdruck macht.
Um ehrlich zu sein stört mich das nicht besonders. Im Gegenteil: Ich winke ihm gerne zu, nur um zu sehen, wie er sein Gesicht noch grimmiger werden lässt. Als ich hierher zog, dachte ich lange, die Wohnung würde leer stehen oder an jemanden vermietet sein, der nicht sehr oft da ist.
Seit einiger Zeit weiß ich es besser und habe meinen Spaß damit. Denn er schaut immer grimmig drein, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Er schläft nicht, er benutzt kaum Licht, und das Fenster ist sein bester Freund... genauso wie übrigens auch sein Rasenmäher.
Nachbarn können manchmal schon recht amüsant sein. Einige führen ihr ganz privates Informationszentrum, andere wiederrum bekommt man auch nach Jahren nie zu Gesicht. Man hört sie nur ab und zu. Ich hatte bisher immer ein recht kühles Verhältnis zu meinen Nachbarn. Eventuell sollte ich einmal eine kleine Party für alle geben. Und mein Nachbar gegenüber bekommt sogar ein kleines Geschenk von mir: Ein Fernglas. Schließlich muss man ab einem bestimmten Alter seine Augen schonen.
In diesem Sinne... auch mal beide Augen zudrücken!